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mfs - munichfabricstart - interview

Interviews Spring // Summer 10

Sommer 2010: Leichtigkeit

Joachim Baumgartner, Trendexperte der munichfabricstart, gibt einen ersten kurzen Einblick in die neue Modesaison. Drei Fragen, drei Antworten:


1) Welche Stofftrends sind zum Sommer 2010 entscheidend? Leichtigkeit ist für mich das zentrale Thema mit luftigen Qualitäten, seidig oder technisch. Das Thema ist übergreifend für alle Bereiche, nicht nur für Kleider. Farblich betrachtet werden Pastelle den progressivsten Eindruck hinterlassen. Stofflich und stilistisch gesehen bietet die Westküste Amerikas entlang der Panamerika, von Mexiko, Costa Rica, über Peru nach Chile eine große Fundgrube an Ideen und reichlich Inspirationen für Muster, Buntgewebe und Formen.

2) Gibt es eine Botschaft an die Modeschaffenden, die mit den Stofftrends verbunden ist? Die Vielseitigkeit der Themen und Stoffe hat nicht nachgelassen. Im Gegenteil. Das verspricht ein enormes Potential, um die Kollektion individueller denn je zu gestalten. Nicht in Zurückhaltung liegt die Zukunft sondern in der Innovation.

3) Wird es ruhiger oder „aufgemotzter“ und glamouröser? Es wird ein bisschen ruhiger werden, das hat aber nichts mit Langeweile zu tun. Lebensfreude, Spaß oder technische Raffinesse wohnt in allen Themen. Grundsätzlich wird die Farbintensität nach oben geschraubt, sprich alle Farben haben weniger Sättigung. Die Stoffe sind mehrheitlich technischer und glatter ausgerüstet. Dadurch wird der Gesamteindruck etwas eleganter. Ein gutes Beispiel dafür ist die Haptik mancher Stoffe. Die Ausrüstung ist so bezaubernd, dass man die Stoffe gar nicht mehr aus den Händen geben möchte.

Camin Textile Ltd.: Eastern Woman Power

Chinesische Frauen sind im internationalen Business angekommen. Shindy D.M.Xin ist eine dieser Unternehmerinnen. Sie treibt mit viel modischem Gespür und noch mehr Energie ihre heimischen Weber kreativ nach vorne.


„Es ist nach wie vor nicht einfach neue Produkte in den chinesischen Markt zu bringen“, sagt Shindy D.M.Xin, Inhaberin von Camin Textile Ltd., mit Sitz in Shanghai. „Der Markt ist nach wie vor sehr Standard orientiert.“ Seit knapp 15 Jahren entwickelt, diskutiert und streitet die Chinesin mit heimischen Webern und Färbern für international konkurrenzfähige Entwicklungen. Immer treibt sie der Anspruch, das europäische Design mit der chinesischen Produktion zu verbinden. Vor allem in der Ausrüstung sei das ein schwieriges Unterfangen, berichtet sie. Immer wieder müsse man mit technischen Anweisungen eingreifen und die Firmen exakt anleiten. Camin Textile arbeitet derzeit mit fünf Webereien zusammen. Die Kollektion umfasst 200 bis 250 Artikel für die Womenswear, die auf Wolle und Wollmischungen, u.a. mit Baumwolle, basieren. Die Qualitäten und die Aufmachung sind absolut europäisch und modeorientiert. Jede Musterlasche ist mit einem Fashionfoto aus einer Designerkollektion verbunden. Shindy D.M.Xin weiß genau wie der Markt tickt. Und sie weiß, was sie will. Camin erwirtschaftet derzeit einen Jahresumsatz von 15 Mio. Euro. Auch unter diesem Jahr hätte ein Plus von zehn und zwanzig Prozent stehen sollen, aber angesichts der Unsicherheiten in den Abnehmerländern ist auch die chinesische Unternehmerin vorsichtig geworden. „Diese Zuwächse sind nicht mehr unbedingt zu erwarten“, sagt sie, geht aber davon aus, dass neue Märkte wie Deutschland, Russland und Polen ein zweistelliges Wachstum sichern. Shindy D.M.Xin lehnt bewusst jeden Vergleich mit der Billigkonkurrenz ab. Ihre Mitbewerber sitzen in der Türkei und in Europa. „Der Markt erkennt langsam, dass China nicht nur billig bedeutet“, sagt sie und weiß nur zu genau, dass Kreativität der Schlüssel zu den anspruchsvollen Kunden ist. Das müssten noch viele chinesische Firmen lernen. Angesprochen auf die aktuelle Krisensituation, sagt sie: „Kein anderes Land kann im Moment China ersetzen. Wir haben den richtigen Preis und das richtige Produkt. Wir sollten uns nicht zu viele Sorgen machen.“
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